.

TIERSCHUTZVEREIN MANNHEIM UND UMGEBUNG E.V. SEIT 1901 Tierheim Mannheim - Tierfriedhof Mannheim

Liebe Tierfreunde,

auf dieser Seite veröffentlichen wir Geschichten unserer Leser dieser Internetseiten.

Es können wahre oder erfundene Geschichten sein. In jedem Fall sollte es um Tiere gehen.

Wir behalten uns jedoch vor, Texte sinnvoll zu kürzen oder ggf. gar nicht zu veröffentlichen.

Wir freuen uns auf Ihre Zuschriften per E-Mail.

Ihr Tierschutzverein Mannheim

.

Wenn ich nur wüsste, was schiefgegangen ist.


Ich hatte wohl etwas gesagt oder getan, was nicht in Ordnung war. Ich schwöre, ich zermartere mir seither mein Gehirn, was es gewesen sein kann und komme einfach zu keinem Ergebnis. Hatten Sie auch schon einmal das Gefühl, dass Sie einen Fehler gemacht haben, ohne ihn zu bemerken? Ganz besonders schlimm wird es dann, wenn man über diesen Fehler nicht mit Ihnen spricht und Sie einfach verachtet. Mir ging das vor etwa drei Wochen so. Ich versichere Ihnen, bis dahin war alles „eitel Sonnenschein“. Wir liebten uns – dachte ich wenigstens. Ich hätte mein Leben für ihn gegeben.


Aber von einem Tag auf den andern war alles aus. Er wurde an einem Abend vor drei Wochen plötzlich sehr merkwürdig. Ich spüre sowas sofort. Er sah mich nicht mehr an und sprach kein Wort mehr mit mir. Noch am gleichen Abend stiegen wir ins Auto und fuhren endlos lange. Draußen huschten die Lichter an uns vorbei. Dann verschwanden die Lichter der Stadt und ich konnte die feuchte Erde dort draußen riechen, die Felder und das nasse, dürre Laub auf dem Boden. Wir hatten schon lange keinen gemeinsamen Spaziergang so weit draußen unternommen. Freude stieg in mir auf. „Doch alles gut“, dachte ich.


Wir hielten an und stiegen aus. Der kalte Abendwind trug mir nur fremde, interessante Gerüche in die Nase. Hier waren wir noch nie. Ich bin unwahrscheinlich neugierig auf fremde Gerüche, müssen Sie wissen. Dann nahm er einen Stock vom Boden auf und schleuderte ihn weit in die Dunkelheit. Ich jagte voller Freude hinterher, wie ich es immer tat, und wusste, dass alles wieder in Ordnung ist. Ich musste diesen Stock finden. Ich konnte ihn zwar nicht sehen, aber der Geruch seiner Hand an dem Holz würde mir den Platz verraten. Dann würde ich wieder und wieder laufen. Er und ich, wir liebten dieses Spiel.


Weit hinter mir schlug die Tür des Autos zu. Der Motor lärmte und die Räder warfen die Erde hinter sich. Ich stand eine Sekunde wie erstarrt. Dann wurde mir klar, dass er in diesem Auto saß. Der Schreck fuhr mir wie ein greller Blitz durch die Glieder. Ich war nicht mehr in der Lage, einen klaren Gedanken zu fassen. Mein Körper streckte sich, die Beine holten so weit aus, wie sie konnten. Ich raste über den dunklen Boden, quer hinüber zu dem Auto, dessen rote Lichter ich jetzt sah. Ich stolperte durch ein Erdloch, fing mich ab und spürte doch nichts um mich herum. Nur diese roten Lichter musste ich erreichen. Ich musste. Sie wurden immer kleiner. Ich roch das Auto. Es war meine Liebe, um die ich rannte.


Dann verschwanden die Lichter, aber der Geruch führte mich weiter. Ich hetzte, bis meine Lunge zu zerreißen drohte. Mir wurde heiß, mein Hals brannte wie Feuer. Noch nie war ich so schnell gerannt. Dann begann der Geruch des Autos sich mit anderen Gerüchen zu vermischen und immer dünner zu werden. Ich war plötzlich nicht mehr sicher, wie ich weiter zu laufen hatte. Ich hetzte einen Feldweg hinauf und verlor den Geruch. Noch größere Panik kam in mir auf. Ich wendete in vollem Lauf und rannte den Weg zurück. Nichts mehr. Der Geruch war weg.


„Ein Spiel“, dachte ich. „Nur ein Spiel.“ „Er ist noch dort – ganz sicher.“ So schnell ich es vermochte, rannte ich zu der Stelle zurück, wo wir dieses Spiel begonnen hatten. Meine Kräfte ließen nach und als ich ankam, war er doch nicht da. Hier konnte ich das Auto noch riechen, ihn nicht mehr. Ich war am Ende meiner Kraft, als ich mich auf das nasse Laub niederlegte und meine Lunge meine Atemzüge rasen ließ. Immer wieder schloss ich das Maul und versuchte, so lange wie möglich ruhig zu atmen, damit ich ihn vielleicht hören konnte. Aber ich hörte ihn nicht.


Als ich wieder bei Kräften war, stand ich auf und lief erneut den Weg entlang, auf dem die Lichter und er verschwunden waren. Ich lief, solange ich konnte. Und glauben Sie mir, so lange wie in dieser Nacht bin ich in meinem ganzen Leben noch nicht gerannt. Als ich die ersten Häuser erreichte, konnte ich nur noch langsam gehen. Ab und an musste ich mich ablegen. Meine Fußballen brannten wie Feuer, die Haut war abgerieben. Meine rechte Vorderpfote musste ich dauernd lecken, weil sie zu bluten begann. Ich habe ihn trotzdem nicht gefunden.


Am Tag darauf saß ich wieder in einem Auto. Es brachte mich an einen Platz, an dem noch viele andere Hunde saßen. Sie saßen hinter Gittern und hatten alle nichts Gutes zu erzählen. Manche schrien, manche liefen bis zur Erschöpfung zwischen den Gittern hin und her, die meisten schauten nur verloren. Seit drei Wochen bin ich nun hier. Ach, das sagte ich Ihnen ja schon. Jeden Tag bekommen wir unser Futter, und der enge Platz, auf dem wir leben, wird sauber gemacht. Manchmal kommen Leute vor das Gitter und schauen uns an. Es hat eine Weile gedauert, bis mir klar wurde, dass diese Leute hier sicher ihre vierbeinigen Freunde suchen, die sie verloren haben. Jetzt weiß ich, dass er auch kommen wird, um mich zu holen. Wenn ich draußen jemanden höre, renne ich hinaus und drücke meinen Kopf an die Gitter, um zu sehen, wer dort um die Ecke kommt. Er kommt mich sicher holen. Ich weiß es. Ich gebe ihn niemals auf.