TIERSCHUTZVEREIN MANNHEIM UND UMGEBUNG E.V. SEIT 1901

Bild oben: Taubenhäuser am Neckar
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Stadttauben in Mannheim - Ein Beitrag von Stefan Lunkmoß
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Stadttauben in Mannheim - Ein Beitrag von Stefan Lunkmoß
Um zu verstehen, warum es in manchen Städten örtlich zu größeren Ansammlungen von Tauben kommt, muss man sich zunächst mit der Herkunft dieser so genannten Stadttauben befassen. Bis auf die Lachtaube stammen alle heute vorkommenden Taubenrassen von der Urform Felsentaube ( lat.: Columbia Livia) ab, von der es ca. 10 unterschiedliche Arten gibt, die sich aber untereinander paaren können und vor allem in Südeuropa, Nordafrika, Vorderasien, Indien, Amerika und Teilen von China mit verschiedenen Rassen vorkommen. Diese Vogelart hat seit Urzeiten in vielen Religionen und Kulturen die unterschiedlichsten, aber immer bedeutungsvolle Stellungen eingenommen. In unserem Kulturkreis wird sie heute leider von den meisten Menschen, vorsichtig ausgedrückt, eher als lästig empfunden. Wir wollen an dieser Stelle aber nicht die kulturgeschichtliche Bedeutung der Tauben beleuchten, sondern neutrale Fakten über deren Leben sowie die damit in unserer heutigen technisierten Welt entstehenden Probleme und deren mögliche Lösungen vermitteln.
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Dass sich so viele Tauben in den Städten und vergleichsweise wenige in den unbebauten Bereichen auf dem Lande aufhalten, hängt mit der Abstammung von der Felsentaube und deren Lebensraum zusammen. Felsentauben leben - wie der Name schon vermuten lässt - überwiegend an Felsenküsten. Sie wohnen und brüten auf Felsen, in Felsnischen und kleinen Felshöhlen. Sie sind auch keine besonders fleißigen Nestbauer und können auf Bäumen und Sträuchern nicht brüten. Gebäude mit Ihren Simsen, Erkern, Dachüberständen oder gar schadhaften Dächern etc. sind für die Tauben eine perfekte Nachahmung des natürlichen Lebensraumes.
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Bild oben: Taubenbrut
Anders als die meisten anderen Vogelarten, brütet ein Taubenpaar zwischen 5 und 7 mal im Jahr. Es werden im Abstand von ein bis zwei Tagen je zwei Eier gelegt. Gebrütet wird erst, wenn das 2. Ei gelegt ist. So kann ein Taubenpaar in einem Jahr bis zu 14 Jungtauben ausbrüten, die nach drei bis vier Monaten selbst schon geschlechtsreif sind. So entsteht eine Geburtenspirale wie wir sie auch z. B. von Katzen oder Nagern her kennen.
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Tauben sind von Geburt an sehr ortstreu. Diese Eigenschaft machen sich Brieftaubenzüchter zu nutze und lassen Ihre Tauben hunderte von Kilometern vom Heimatplatz aus entfernt fliegen, um dann zu vergleichen, welche Taube welche Distanz am schnellsten zurücklegt. Eine Umsiedelung von Tauben wird daher in den meisten Fällen fehlschlagen.
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Eine große Streitfrage sogar unter den Taubenfreunden ist, ob die Stadttauben gefüttert werden sollen. Tatsache ist, dass die Nahrung der Tauben vom Stoffwechselaufbau her auf Sämereien und Frucht von Gräsern und Getreiden ausgelegt ist. In den Städten finden sie diese so gut wie nicht mehr. Die Tauben haben ihr Fressverhalten an das Nahrungsangebot angepasst und fressen von Brötchen über Kuchen, Hamburger und Eis praktisch alles, was sie finden. Nur: Sie vertragen es nicht. Daher haben die Tauben in den Städten oft extreme Durchfälle, was dann wiederum als Problem angesehen wird. Richtig ernährte Tauben haben einen festen Kotabsatz.
Wenn schon eine Fütterung erfolgt, sollte diese ausschließlich mit artgerechtem Futter erfolgen. Das Füttern mit frischem Brot, süßen Teilchen o.ä. ist schon fast als Tierquälerei zu werten, da die Tiere davon auch krank werden können. Da sich Tauben schnell an einen Futterplatz gewöhnen, sollte eine Fütterung auch nur dort erfolgen, wo eine größere Zahl von Tauben nicht als störend empfunden wird.
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Viele Städte und Gemeinden versuchen, die Zahl der Stadttauben wegen angeblicher Taubenplagen zu reduzieren. Dazu bedient man sich in der Hauptsache drei verschiedener Möglichkeiten.
1. Das Töten der Tiere:
Als Tierschützer lehnen wir das Töten generell ab! Außerdem müssten mehr Tiere getötet werden, als Jungtauben ausgebrütet werden. Töten durch Abschuss ist ohnehin uneffektiv und in Städten viel zu gefährlich für die Bürger. Vergiftetes Futter nehmen auch andere Tiere auf und sterben ebenfalls. Da keine Einflussnahme auf die aufgenommene Futter- und Giftmenge je Tier besteht, verenden viele Tiere elendiglich aufgrund zu wenig aufgenommenen, wirksamen Giftes.
Die früheren Tötungsaktionen in Mannheim haben gezeigt, dass dies den Steuerzahler sehr viel Geld kostet und die Zahl der Tauben nicht wirklich spürbar reduziert, da die Tiere sofort nachbrüten und freie Plätze sofort wieder besetzt sind.
2. Geburtenkontrolle mit Hormonen:
Dies ist rein theoretisch möglich, aber wie kann man sicherstellen, dass jedes Tier die erforderliche Hormonmenge enthält? Außerdem ist eine eventuelle nachteilige Wirkung auf Fressfeinde der Taube noch nicht restlos geklärt. So besteht zum Beispiel die Möglichkeit, dass artgeschützte Falken durch das Fressen der hormonbehandelten Stadttauben selbst unfruchtbar werden. Da dies bislang nicht wirklich überprüft werden konnte, hat man vor Jahren in der Stadt Mannheim auf solche Hormonbehandlung verzichtet.
3. Gelegekontrolle:
Wenn Tauben an einen Platz gewöhnt sind, der für Menschen zugänglich ist, können die Eier regelmäßig durch Kunsteier ersetzt werden. Dadurch wird die enorme Vermehrungsrate deutlich und wirklich spürbar reduziert. Die Methode wird in vielen europäischen Städten in eigens errichteten Taubenschlägen erfolgreich angewendet, ist aber sehr arbeits- und damit auch kostenintensiv und der Erfolg ist leider erst mittel- bis langfristig sichtbar. Damit das funktioniert, müssen die ersten Eier ausgebrütet werden, damit die Tauben an dieser Stelle einen sicheren Brutplatz erkennen. Von Zeit zu Zeit müssen den Tauben einzelne Bruterfolge als Anreiz geboten werden. Da sich die Tauben nach der Eingewöhnung sehr viel in den Schlägen aufhalten, das dort gebotene Futter annehmen und dort abkoten, reduziert sich gleichzeitig erheblich die Schmutzbelastung im nahen Umfeld. Hierzu müssen die Schläge aber Bewegungsraum bieten.
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Bild oben: Einflug am Taubenschlag am Marktplatz
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Was macht der Tierschutzverein Mannheim konkret für die Tauben ?.
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Ab Mai 2006 hat uns die Stadt Mannheim nach langen Verhandlungen endlich mit der Betreuung der Stadttauben und deren tierschutzgerechter Reduzierung in Problembereichen beauftragt. Die beiden Taubentürme am Neckar, nahe des Museumsschiffs, waren zu diesem Zeitpunkt zwar schon längere Zeit vorhanden, aber von den Tauben noch nicht angenommen. In der Zeit von Mai bis Dezember 2006 haben wir die Türme nach und nach baulich verändert, in den Türmen Futter angeboten und darauf gedrungen, dass die offene Fütterung vor den Türmen zunächst reduziert und dann ganz eingestellt wird, damit über das Futterangebot in den Türmen auch die Nistmöglichkeit von den Tauben akzeptiert wird. Am 24. Dezember 2006 war es dann soweit. Der erste Nestling war geschlüpft. Unsere Geduld wurde noch bis Ostern 2007 auf eine harte Probe gestellt. Mit einem Schlag aber, wurden die Türme von den Tauben voll akzeptiert und wir hatten alle Hände voll mit Gelegekontrolle, Reinigung und Aufzeichnungen zu tun.
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Bild oben: brütende Taube auf Kunststoffeiern
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Obwohl jeder Turm nur zur Hälfte belegt war, haben wir in beiden Türmen zusammen weit über 200 Eier ausgetauscht. Wenn man die möglichen Nachkommen der nicht ausgebrüteten Eier hinzurechnet, haben wir eine Populationssteigerung von ca. 1000 Tauben im Bereich der Kurpfalzbrücke verhindert. Für uns war das ein großer, erster Erfolg, da er zeigte, dass dieses System auch in Mannheim funktioniert. Die logische Folge war, dass wir dann Ende 2007 am Marktplatz einen Taubenschlag in einem Dachstuhl ausbauten und Ende 2008 dann einen weiteren im Bereich der Kurpfalzbrücke. Im näheren Bereich der Kurpfalzbrücke auf der Innenstadtseite hielten sich zu dieser Zeit oft große Gruppen von Tauben mit bis zu etwa 800 Tieren auf. Heute ist die Zahl dort auf ca. 200 reduziert, ohne dass den Tieren in irgendeiner Art und Weise geschadet werden musste..

Bild oben: Innenansicht Brutplätze im Taubenschlag
.Anmerkung des Tierschutzvereins:
Nach mehreren intensiven Zählaktionen wissen wir, dass sich zurzeit im gesamten Stadtgebiet etwa 6.000 bis 7.000 verwilderte Haustauben aufhalten. Von einer Taubenplage kann in Mannheim nicht mehr gesprochen werden. Zweifellos gibt es einzelne Fälle, in denen kleinere Taubengruppen Schmutz verursachen. Doch hier helfen meist die einfachsten Vergrämungsmaßnahmen.
Bei solchen Problemen werden in letzter Zeit vermehrt Mitarbeiter des Tierschutzvereins von der Stadt Mannheim und von Privatpersonen zurate gezogen und wir konnten in allen Fällen mit Rat und Tat helfen. Danken möchten wir an dieser Stelle den Mitarbeitern der MORGENPOST des MANNHEIMER MORGEN, die mit uns zusammen tierschutzgerechte Lösungen gefunden haben. Dort hatten sich einige Tiere in den Hallen eingenistet und gelagerte Post verschmutzt.
Immer, wenn wir von betroffenen Bürgen auf „Massen von Tauben“ aufmerksam gemacht werden, stellen wir bei sorgsamer Prüfung und Zählung fest, dass wir mit wenigen Ausnahmen (siehe Kurpfalzbrücke) selten mit Gruppen von mehr als 30 Tieren zu tun haben. Und immer helfen den Tieren und den betroffenen Menschen einfachste Mittel. Für Ihre Fragen zu diesem Thema stehen wir Ihnen gerne über unsere Geschäftsstelle des Tierschutzvereins mit der Tel.Nr. 0621-316453 zur Verfügung.